Bebauung – ein unglaublich umständliches Wort und ein starkes Argument für die deutsche Sprache. Building (englisch), edificación (spanisch) und Urbanisation (französisch) – anderswo hat man es sich nicht so schwer gemacht. Doch wichtige Themen brauchen große Worte. Neben den Lebensmittelpreisen haben wohl nur die Immobilienpreise so einen großen und direkten Einfluss auf das Leben aller und seine Qualität. Steigt eines von beiden, treibt es die Menschen auf die Straße, wie kürzlich in Arabien und Israel. Eines der obersten Ziele der Politiker sollte es also sein, beide niedrig zu halten, um den sozialen Frieden zu wahren. Denn steigen sie doch, trifft es sofort und am heftigsten die Armen und Schwachen. Es zerstört ihre Aufstiegschancen, weil am Ende des Monats kein Geld mehr übrig bleibt, um Bücher zu kaufen oder den Kindern die Ausbildung zu finanzieren. So weitet sich der Graben zwischen arm und reich, und das ist schlecht für alle.
Doch Immobilienpreise beeinflussen nicht nur die Wohnkosten – auch fast alle anderen Ausgaben sind indirekt betroffen. Auch auf den Preis eines Kinobesuchs, eines Haarschnitts, eines Gemäldes sind die Fixkosten, die der Mieter des Geschäfts für seine Verkaufsfläche kalkulieren muss, umgelegt.
Selbst wer sich eine Wohnung in einem tollen Viertel locker leisten kann, profitiert von den niedrigeren Preisen. Vielleicht lebt er gerne in einem ruhigen Viertel, wo Menschen eher selten anzutreffen sind, vielleicht aber freut er sich, wenn was los ist in der Nähe, wenn er am Abend von der Arbeit nach Hause kommt. Sind die Preise nämlich zu hoch, dann wird er nur von seinesgleichen umgeben sein, also alle Bewohner bis Abends um sieben außer Haus und das Viertel entsprechend leer und langweilig. Und dann hat er von seiner schönen Altbauwohnung auch nur wenig.
In München, ähnlich wie in eigentlich allen interessanten Großstädten, ist die Situation besonders prekär. Bei einem Bürgerentscheid im November 2004 stimmten 100.000 Münchner, und damit mehr als nötig, für ein Verbot für Hochhäuser, die die Frauenkirche (99 Meter Höhe) übertreffen, auch außerhalb der Stadtautobahn. Dabei wäre gerade der Bau in die Höhe die Lösung der Wohnungsknappheit. Würde ein sonderbares Häuserwachstum einsetzten, das jedes Haus der Stadt um ein Stockwerk in die Höhe schiebt, dann würde damit die Wohnfläche um ca. 25%* steigen, die Mietkosten also um diesen Betrag sinken und das Niveau von Städten wie Bonn erreichen. Und wer will schon nach Bonn.
* Es war leider sehr schwierig Zahlen zu finden. Geschätzte Werte: Durchschnittliche Gebäudehöhe im Innenraum: 4; +1 Stockwerk entspricht + 25%; Durchschnittlicher Mietpreis pro Quadratmeter: 12 Euro; 12 Euro minus 25% entspricht 9 Euro; sz Mietindex: München: 154 Punkte; minus 25% entspricht 115; Bonn: 113 Punkte;