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Madrid – San Sebastian (3)

Unspektakuläre Beobachtungen – Teil 3

Es gibt hier keine Mücken. Dieser Satz sieht so unspektakulär aus, was total unangemessen ist, denn es ist höchst spektakulär!

Wenn ein Busfahrer an einer Haltestelle verfrüht eintrifft, wartet er nicht, bis die Zeit den Bus eingeholt hat, sondern freut sich über die herausgefahrenen Minuten, und gibt sie nicht mehr her.

Auf einer Brücke in San Sebastian spielte ein blinder Mann Ziehharmonika – von früh bis spät. Ich fragte mich, wie er das so wahrnahm, den ganzen Tag Musik zu machen. Der Mensch fühlt den Lauf der Zeit ja nicht direkt, sondern muss ihn zum Beispiel vom Stand der Sonne ableiten. Was der blinde Musiker ja nicht kann. Fliegt der Tag deshalb nur so an ihm vorbei? Oder kennt er die Uhrzeit viel präziser, als alle anderen Menschen, weil er seine Lieder zählt?

In Parks sind oft Sportgeräte aufgestellt, Stangen und so. Die sind nicht nur Dekoration, am Abend werden die tatsächlich ausgiebig genutzt.

In San Sebastian ertönt zu jeder vollen Stunde die Melodie vom Big Ben, allerdings so falsch, dass mir jedes mal ein Schauer über den Rücken lief. Vielleicht kommt man so aber auch um die Lizenzgebühren herum.

Wenn in Deutschland die Sonne scheint, reisst man sich im Park sogleich das T-Shirt vom Leib, um die käsigen Gliedmaßen zu bräunen. Hier behält man die Kleidung auch in der Sonne an – man wird durch sie durch braun genug.

Dime! Venga! Wuerde man die umgangssprachlichen Sätze ins Deutsche übersetzen, man hielte die Spanier für recht unhöflich. Sprich mit mir! – nachdem man den Hörer abhebt. Komm! – als Abschiedgruss. Empfunden wird das hier aber ganz anders, so lange man sich gut kennt. Dann kann man in der Bar ein Bier bestellen, indem man Pon me una cerveca sagt (Stell mir ein Bier hin), während man als Deutscher lieber ein könnte, bitte, würde zu viel benutzt.

EE UU – diese Abkürzung ist mir immer wieder in der Zeitung aufgefallen und ich hatte keine Ahnung, für was sie stehen könnte. Jetzt weiß ich es, sie steht für Estaduos Unidos, also die USA. Und weil das im Plural ist, werden die Buchstaben verdoppelt. Irgendwie lustig.

Spätestens, wenn einem ein Okay herausrutscht, hat man sich als Fremdsprachler enttarnt. Okay sagt hier niemand. Ich vermute, dass es den Spaniern einfach schwer über die Lippen geht. Besser ist okidoki. Noch besser ist das spanische Wort, Vale, sehr gerne auch aneinander gereiht: Valevalevalevale.